Unsere Verdauung aus Sicht der TCM

In der Chinesischen Denkweise bilden Milz und Magen „unsere Mitte“ und stehen als  Synonym für die Verdauung.

Unsere „Mitte“ ist dafür zuständig, die Nahrung aufzunehmen und vollständig zu transformieren. Für diesen Prozess benötigt unser Körper vor allem Wärme. Diese kommt von der Niere, welche man sich wie ein kleines Feuer vorstellen kann. Im Laufe des Lebens wird das Feuer in seiner Intensität immer weniger und deshalb ist es wichtig, dieses Feuer zu bewahren. Auf dem Feuer sitzt dann der Kochtopf (der Magen) in dem die Nahrung einmal aufgenommen wird. Der Magen ist für die Fermentierung und Reifung zuständig. Er transformiert aus einem Teil der festen und flüssigen Nahrung wichtige Körperflüssigkeiten. Wenn das Nierenfeuer stark genug ist, wandelt die Milz den Nahrungsbrei in heißen Dampf (Nahrungs-Qi) um. Das Nahrungs-Qi wird dann weitertransportiert und verbindet sich mit dem Atem-Qi (aus der Lunge). Dieses Gemisch aus Atemluft und Nahrungsenergie wird gekoppelt mit unserer Grundenergie und ernährt dann unseren Körper.

Unsere Hauptenergiequellen stammen somit aus der Nahrung und Atemluft. Dies wird in der TCM auch als nachgeburtliche Energie bezeichnet. Die vorgeburtliche Energie (Ursprungs-Qi) spielt bei der Versorgung unseres Körpers auch eine wichtige Rolle. Sie wird uns von den Eltern mitgegeben und kann im Nachhinein nicht mehr stark beeinflusst werden. Wir können die vorgeburtliche Energie (Grundkonstitution) aber schützen und nähren, indem wir unserem Körper mit guter nachgeburtlicher Energie versorgen.

Damit gewährleisten wir, dass unser Körper nicht auf diese wichtigen Reserven zurückgreifen muss.

Gutes Nahrungs-Qi ist auch wichtig für unser Blut, denn in der Verdauung liegt der Ursprung für die Blut- und Säftebildung. Nur mit einem guten Nahrungs-Qi wird im Herz dann Blut produziert.

Info: Anzeichen für eine mangelnde Funktion der Blutbildung erkennt man z.B. an brüchigen Nägeln und Haaren, stumpfer, blasser Teint, trockene Haut, Müdigkeit, Schwindel, Muskelkrämpfe, Vergesslichkeit oder Schlafstörungen.
Unsere Verdauung aus Sicht der TCM

Oberer Erwärmer: Lunge, Herz
Mittlerer Erwärmer: Milz, Magen, Leber, Gallenblase
Unterer Erwärmer: Dünndarm, Dickdarm, Blase, Niere

Info: In der TCM haben die Organe im Vergleich zur westlichen Anschauung noch mehr energetische Funktionen. Da sich die Chinesische Medizin empirisch entwickelt hat und daraus ein eigenes Ordnungsystem entstanden ist, sind die Organfunktionen, Syndrome und Diagnosen nicht gleichzusetzten mit der westlichen Medizin.

Es wird auch dem Zusammenspiel der Organe untereinander mehr Beachtung geschenkt, um an die Ursache einer Beschwerde zu gelangen.

Die schwache Mitte

Unsere Mitte benötigt viel Kraft, um die aufgenommene Nahrung umzuwandeln. Wie oben bereits beschrieben, funktioniert dieser Prozess gut, wenn wir ein starkes Verdauungsfeuer haben. Oft wird unser Feuer aber durch westliche Ernährungsfehler geschwächt (zu viel Rohkost, Milchprodukte oder Tiefkühlkost).

Wenn nicht genügend Wärme vorhanden ist, kann die aufgenommene Nahrung nicht richtig umgewandelt werden und es entsteht „Feuchtigkeit“ und in weiterer Folge „Schleim“. Dieser Zustand ist auf Dauer nicht günstig, da unsere Verdauungsfunktion dadurch weiter eingeschränkt und der Energiefluss beeinträchtigt wird. Im Westen könnte man diese beiden Begriffe auch als Schlacken übersetzten, welche sich in unterschiedlichen Regionen im Körper ablagern.

„Feuchtigkeit“ und „Schleim“ zeigen sich z.B. in Übergewicht, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, breiiger Stuhl, Wasseransammlungen, Gelenksbeschwerden, Cellulite, Verdauungsbeschwerden, verschleimter Rachen, häufige Nebenhöhlenentzündungen, Diabetes, etc.,

Der harmonischer Qi-Fluss

Um unseren Körper mit Qi zu versorgen, muss es bewegt und transportiert werden.
Bei den Transportprozessen spielen vor allem die Leber und die Lunge eine wichtige Rolle.

Die Leber hat die Kontrolle über den harmonischen Qi-Fluss im ganzen Körper. Wenn die Leber in ihrer Aufgabe gestört wird, kann es zu sogenannten Qi-Stagnationen kommen. Je nachdem wo sich  diese Stagnation befindet, stört es die jeweiligen anderen Organe. Die Lunge inhaliert klares Qi und atmet verbrauchtes Qi aus. Durch die Bewegung beim Atmen hat sie viel Einfluss auf eine gute Verteilung des Qi. Wenn wir in den Bauch hineinatmen, werden die Verdauungsorgane besser mit Energie versorgt und gut durchblutet. Verdauungsbeschwerden können z.B. auftreten, wenn das Qi der Leber nicht richtig fließen kann. Es kommt dann oft zu Blähungen, Völlegefühl nach dem Essen, Druckgefühl im Brust- und Bauchbereich oder auch zu Knoten und Zysten. Auch eine Leber-Qi-Stagnation kann dazu führen, dass unser Essen nicht richtig verwertet wird und liegen bleibt. Das kann sich dann wiederum in Gewichtsproblemen äußern.

Eine gute Leberenergie merken wir mental, physisch und emotional. Wenn das Leber-Qi harmonisch fließt, sind wir entspannt und ausgeglichen. Zu viel Stress, gesellschaftlicher Druck, Ärger, fettes Essen, unregelmäßige Essrythmen oder zu wenig Bewegung stören den Qi Fluss.

Warme Gerichte tun unserer Mitte gut

Grundsätzlich werden in der Chinesischen Medizin immer warme Speisen empfohlen, da sie bekömmlicher sind und wir daraus besser Energie gewinnen können. Jedoch wird die TCM Ernährung immer an die jeweilige Person angepasst und ist somit immer individuell.

Beispiel: Es gibt viele Frauen, die zu kalten Füßen neigen und leicht frieren. Hier ist es ratsam 3 x täglich warm zu essen und mit thermisch warmen Lebensmitteln zu kochen. Einigen Männern hingegen ist immer schnell heiß, schlafen bei offenem Fenster und trinken gerne kalte Getränke. Hier kann auch öfters einmal Rohkost gegessen und mit thermisch neutralen bis kühlenden Lebensmitteln gekocht werden.

Einem Hitze-Typ macht ab und zu ein Joghurt oder in der Früh ein Glas Orangensaft wenig aus, hingegen freut sich der Kälte-Typ über eine erwärmende Wurzelsuppe und einen Tee mit Ingwer. Die thermische Wirkung und der Geschmack ist bei der individuellen Ernährung ganz wichtig. Also spüren Sie in sich hinein, was Ihnen gut tut & wobei Sie ein angenehmes Bauchgefühl haben. :-)

Hier noch einige Tipps, die unserer Mitte grundsätzlich gut tun:

  • Am besten 3 x täglich warm essen
  • Zu regelmäßigen Zeiten essen
  • Zwischen den Mahlzeiten sollten ca. 3-4 Stunden Pause sein
  • In Ruhe essen und gut kauen
  • Frühstücken wie ein Kaiser, Mittagessen wie ein Bürger, Abendessen wie ein Bettelmann
  • Auf eine gute Qualität der Nahrungsmittel achten
  • Verzichten Sie auf Fertig- und Tiefkühlprodukte, sowie Mikrowellengerichte
  • Meiden Sie Milchprodukte, Weizen, weißen Zucker und kohlensäurehaltige Getränke
  • Reduzieren Sie Brotmahlzeiten, frisches Brot am besten toasten
  • Trinken Sie zwischen den Mahlzeiten lauwarme bis heiße Getränke
  • Rohkost wie Salat und Obst in kleinen Mengen und nicht als Hauptmahlzeit
  • Kochen Sie mit frischen oder getrockneten Kräutern – diese helfen bei der Umwandlung der Nahrung
  • Genießen Sie Ihr Essen :-)

Wenn Sie wissen möchten, ob Sie eher ein Yin oder Yang Typ sind, also ob Ihnen thermisch warme oder eher neutrale bis kühlende Lebensmittel gut tun, dann erfahren Sie in meinem Artikel Yin und Yang in Balance mehr darüber. ;-)

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Karin Lorenz

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